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„Alles nur Spaß! Heil Hitler!“

Das Outing der AfD als Satirepartei kam für die meisten überraschend und war auch von der Partei selbst nicht geplant

Eigentlich wollte er nur ein wenig die Wogen glätten. Doch dann hat AfD-Politiker André Poggenburg mit der Erklärung, bei seiner rassistischen Aschermittwochsrede habe es sich um „Polemik und Politsatire“ gehandelt, ungewollt Gerüchten den Weg geebnet, dass sämtliche Reden der Partei nur Parodien und die gesamte AfD ein Zusammenschluss von Satirikern ist. Gerüchte, die die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion Alice Weidel sich gestern schließlich genötigt sah zu bestätigen.

„Es stimmt“, erklärt uns die sichtlich enttäuschte 39-Jährige. „Alles war nur Spaß! Heil Hitler!“ Auf die Frage, warum denn niemand über die AfD gelacht habe, antwortet sie nur zögerlich. Sie persönlich habe schon früh in ihrem Leben gemerkt, dass sie einen „etwas abnormen“ Humor habe, erzählt sie. Als Jugendliche habe sie einmal einem jüdischstämmigen Mitschüler eine Armbinde mit Davidstern überreicht mit den Worten „Man kann nie wissen, wann man das noch mal braucht.“ „Keiner fand es lustig, aber ich habe mich am Boden gekrümmt vor Lachen“, erinnert sich Weidel. Ähnlich bei einer Mitschülerin mit türkischen Wurzeln. „Ich schenkte ihr ein Flugticket in die Türkei mit der Anmerkung 'Ohne Rückflug'. Keine Reaktion. Nur ich habe Tränen gelacht.“

Nachdem sie sich einige Jahre lang eher zurückgezogen ihre Freizeit mit Videos von hungernden afrikanischen Kindern und Küken-Vergasungen vertrieben hatte („Da lachst du dich scheckig“), habe sie dann endlich die AfD für sich entdeckt. Es sei eine große Genugtuung gewesen, auf eine Gruppe von Leuten zu treffen, welche alle denselben unkonventionellen Humor hatten wie sie. Am Anfang sei es ihr ja schon schwer gefallen, bei den ganzen „herrlichen Brüllern“, die sie fortan auf Parteitagen und in Interviews gehört und selber von sich gegeben habe, die Countenance zu bewahren und nicht laut loszuprusten. Aber das gehörte nun mal zum Spiel. „Ich habe mir immer gesagt: Zuhause guckst du dir alles an und kannst lachen, so viel du willst.“

Dass es so lange dauern würde, bis die AfD als Spaßpartei entlarvt wurde, hat Weidel überrascht. „Ehrlich, als die Bea damals die Schote mit dem Abknallen von Flüchtlingen gerissen hat, da dachte ich: Das war's. Das KANN keiner glauben, dass das ernst gemeint ist. Aber sie haben uns das politische Engagement ja tatsächlich weiter abgenommen. Na, und nach Björns Knaller mit dem „Mahnmal der Schande“, da war ich mir dann fast schon sicher, dass wir ewig damit durchkommen werden.“

Jürgen W. vom Bundesamt für Verfassungsschutz ist es es sichtlich unangenehm, der Ulktruppe so viele Jahre auf den Leim gegangen zu sein. „Na ja, wir haben schon oft gesagt:  'Das muss  ja wohl ein Scherz sein' oder 'Das meinen die doch nicht ernst, was die da von sich geben'.  Aber in unserem Job hört man ja von so mancher Absurdität, die dann leider doch ernst ist.“ Wirklich peinlich sei ihm und seinen Kölner Kollegen aber, dass sie das Parteiprogramm der AfD nicht gründlich genug gelesen hatten. „Diese kleine Fußnote 'Alles nur Quatsch. Reingefallen! Hahaha!', die hatten wir tatsächlich alle überlesen“, so der Beamte. Insgesamt sei man aber sehr erleichtert darüber, dass von der AfD nun doch keine ernsthafte Gefahr für den Rechtsstaat ausgehe.

Ob die AfD bestehen bleiben und ihre Narretei trotz des Outings weiter betreiben wird, ist derzeit unklar. Alice Weidel ist skeptisch. „Da ist jetzt schon ein wesentlicher Spaßfaktor verloren gegangen“, meint sie.

 

 Unser Bild: Reden und Veranstaltungen der AfD müssen künftig als Satire gekennzeichnet werden.