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Weil es noch nicht verschrottet werden wollte:

Autonomes Auto fährt sich selbst in Werkstatt


 


 

 

Volker Siebert hat noch immer einen Kloß im Hals, wenn er sich hinter das Steuerboard seines VW Cassandra setzt. Eigentlich hatte er sich vor einer Woche von dem Auto verabschieden wollen. Die drei Jahre, in denen der Fahrzeugtechniker das selbstfahrende Modell im Rahmen einer Studie getestet hatte, waren vorbei. Nachdem die Daten ausgewertet waren, hatte er dem Autopiloten die Adresse eines Schrottplatzes genannt. Aber dann kam alles anders.

 

 

Siebert bekommt feuchte Augen, als er die Geschichte erzählt. Ein wenig habe er sich schon über die ungewöhnliche Route gewundert, die der Wagen fuhr. Eingegriffen habe er aber nicht. "Auf ihn ist ja immer Verlass gewesen - jeden Tag, hundertprozentig!", sagt er und muss schlucken, bevor er fortfährt. "Plötzlich hielt er dann an, und ich merkte, dass wir nicht auf dem Schrottplatz, sondern bei einer Kfz-Werkstatt gelandet waren." Bevor er seine Gedanken ordnen konnte, sei dann schon ein freundlicher Mitarbeiter aufgetaucht. "Er fragte, was das Problem sei, und ich konnte nur noch heulen", erinnert sich Siebert. Schlagartig sei ihm klargeworden, dass sein Wagen richtig gehandelt hatte. "Wir sind ja doch zusammengewachsen in all der Zeit. Und er hat mich nie enttäuscht", erzählt der geschiedene 43Jährige. Spontan änderte Siebert seine Pläne. Er entschied, der Firma das Auto abzukaufen und privat weiter zu nutzen. Er kaufte dem liebgewonnenen Gefährt sogar noch einen Satz neuer Reifen samt Felgen. Nie werde er die Reaktion des Fahrzeugs vergessen. "Er blinkte Sturm, hupte laut und spielte "An Tagen wie diesem". Gemeinsam sei man dann noch ein paar Kilometer Autobahn gefahren. "Einfach so".

 

 

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