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Saubere Sache?

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg ruft Diesel-Autos zu einer „dringenden“, nicht näher erläuterten „Umwelt-Nachrüstung“. Ein anonymer Insider verrät uns, was es damit auf sich hat.


„Hallo?“. Stephan Kleinschmied (Name von der Redaktion geändert) lugt durch den Spion. Erst als er sieht, dass wir die Kamera, wie versprochen, zuhause gelassen haben, öffnet er die Tür.

Was uns der IT-Experte in seinem Büro präsentiert, sieht auf den ersten Blick aus wie ein gewöhnliches Lenkradschloss. Die Besonderheit stecke im Innern des Gerätes, erfahren wir. Kleinschmied verbindet das Schloss per USB-Kabel mit einem Tablet. Das Display zeigt uns nach ca. zwei Sekunden unseren Standort an (Wir befinden uns in der Stuttgarter Innenstadt), weitere zwei Sekunden später dann die rot unterlegte Nachricht: „Entriegelung verweigern“. Wir ahnen, worum es hier geht.

Bei der „dringenden, verbindlichen Umwelt-Nachrüstung“, zu der das Baden-Württembergische Verkehrsministerium morgen sämtliche im Bundesland gemeldete Besitzer von Diesel-PKW aufruft, werde exakt dieses Schloss eingebaut, erläutert uns Kleinschmied. „Das Gerät bestitzt ein GPS-Signal und einen Mini-Computer, in welchen die nachrüstende Werkstatt die Abgaswerte des Fahrzeugs eingibt. Die Werte werden mit den Schadstoffmittelwerten der jeweiligen Stadt abgeglichen. Das Ergebnis ist dann, dass die Entriegelung genehmigt oder eben verweigert wird.“ In unserem Fall habe das Gerät die Werte eines spezifischen Diesel-PKW für seine Berechnung nicht benötigt. „Den Schritt können sich die Werkstätten in Stuttgart sparen. Da wird das Fahrverbot ohnehin sämtliche Diesel betreffen. “

Die Vorteile dieser einfachen Nachrüstungs-Maßnahme liegen auf der Hand: Umweltzonen, Blaue Plaketten... Das alles würde für Stuttgart einen hohen Mehraufwand bedeuten. Die Zonen müssten schließlich durch Schilder gekennzeichnet, die Einhaltung der Begrenzung überprüft und Ausweichwege für betroffene Fahrzeuge geschaffen werden. „Alles viel zu hohe Kosten“, meint Kleinschmied.

Das neue Diesel-Lenkradschloss sei da eine „pfiffige“ Lösung, findet der 42-Jährige, der als Teil eines unter Hochdruck und natürlich streng im Geheimen tätigen Expertenteams an der Entwicklung des Gerätes beteiligt war. Besonders stolz ist er auf eine spezielle App, die er uns präsentiert. „Die können die Fahrzeugbesitzer günstig erwerben. Da kann man schon bequem von der Wohnung aus checken, ob das Auto losfahren wird oder nicht. Im negativen Fall werden dann die Auswahloptionen 'Taxi rufen' und 'ÖPNV-Verbindung suchen' angezeigt. Unter 'weitere Optionen' kann man sogar gleich den nächstgelegenen Gebrauchtwarenhändler kontaktieren.“

Für moralisch fragwürdig hält der Stuttgarter, der selbst glücklicher Besitzer eines Benziner-SUVs ist, die Maßnahme der Landesregierung nicht. Die Nachrüstung sei schließlich kostenlos, meint Kleinschmied.


Foto: Das Baden-Württembergische Verkehrsministerium wie auch die KFZ-Werkstätten wollen sich zu Details der aktuellen Umrüstungs-Maßnahme nicht äußern.