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Chefetagen von Daimler und VW reklamieren erste Fahrverbote für sich

Die in den Dieselskandal verwickelten Konzerne haben ein Maßnahmenpaket zur Wiedergutmachung beschlossen, das in seiner Konsequenz überrascht.

Foto: VW-Chef Matthias Müller präsentiert sein gerade erworbenes ÖPNV-Jahresticket

In einer Sondersitzung haben sämtliche Vorstandsmitglieder* von VW, Audi, Daimler und Bosch gestern beschlossen, ab sofort auf die Nutzung ihrer privaten PKW zu verzichten. Der Beschluss sei einstimmig gefasst worden.

In der Begründung, die heute auf den Internetseiten der Firmen veröffentlicht wurde, hieß es: „Durch unsere Abgas-Mauscheleien sind wir für die hohe Luftverschmutzung in deutschen Städten maßgeblich mitverantwortlich. Dass die Bürger nun womöglich auch noch durch Fahrverbote belastet werden, hat unser durch die Geldscheffel-Routine zeitweise eingeschlafenes Gewissen nun geweckt. Wir haben deshalb entschieden, dass ein Fahrverbot natürlich zuallererst uns selbst treffen muss.“

Der VW- Vorstandsvorsitzende Matthias Müller ist froh über den Beschluss. Er selbst habe Schlüssel und Fahrzeugschein für seinen Diesel gerade heute dem Kraftfahrtbundesamt übergeben und sich anschließend ein ÖPNV-Jahresticket gekauft, erzählt der sichtlich erleichterte Konzernchef.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender von Daimler, bezeichnete die Entscheidung heute als „lange überfällig“.  „Wie steht man denn da, wenn die Haushaltshilfe ihre Kinder wegen eines Fahrverbotes nicht mehr in die Kita fahren kann, man als Verschulder der Misere aber weiter seinen PKW nutzt?“. Er werde ab sofort mit einem E-Bike zur Arbeit fahren. Schlüssel und Fahrzeugschein seines Wagens hat Zetsche einer Carsharing-Firma überlassen. „Die wollen die Dreckschleuder natürlich erst nutzen, wenn sie umgerüstet ist. Das habe ich heute in Auftrag gegeben. Kostet ja läppische 1500 Euro“, so Zetsche.

Das selbst auferlegte Fahrverbot ist nur eine von insgesamt drei auf der Sitzung beschlossenen Maßnahmen. Neben der Umrüstung sämtlicher manipulierter Diesel auf Firmenkosten -„Über Selbstverständlichkeiten brauchen wir hier nicht zu reden“, kommentiert Matthias Müller - ist im Sitzungsprotokoll des Weiteren zu lesen, dass alle Vorstandsmitglieder* ihre Jahresgehälter von 2017 in eine neu gegründete Stiftung einzahlen werden.

„Unsere Stiftung 'Alternativen zum PKW' wird es von Fahrverboten betroffenen Städten ermöglichen, den Öffentlichen Nahverkehr für alle Bürger kostenlos anzubieten, was die Stickoxid-Belastung deutlich senken wird“ erklärt Bosch-Chef Volkmar Denner, der seinen SUV einer syrischen Flüchtlingsfamilie zur Verfügung gestellt hat und ab sofort mit der Bahn zur Arbeit fährt. „Dass der Individualverkehr nicht mehr zeitgemäß ist, wissen wir ja ehrlich gesagt schon seit Langem“, fügt der Konzernchef noch etwas zerknirscht hinzu. Die Zukunft gehöre Carsharing und Öffentlichem Nahverkehr. „Jedenfalls bis wir es geschafft haben, die Antriebssysteme komplett auf Elektro und Hybrid umzustellen. Aber das wird wohl noch eine ganze Weile dauern.“

Dass die aktuellen Beschlüsse die Wut der Bürger auf die in den Diesel-Skandal verwickelten Konzerne wesentlich mildern werden, kann sich Audi-Chef Rupert Stadler nicht vorstellen: „Wir haben schließlich alle ganz bewusst betrogen und hätten das auch noch weiter gemacht, wenn es nicht herausgekommen wäre.“ Mit dem Maßnahmen-Paket hoffe man lediglich, einen Beitrag zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens leisten zu können, so Stadler.

* Der Beschluss betrifft ausdrücklich auch im Zuge des Dieselskandals zurück getretene Konzernobere wie den ehemaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn.