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Nach AKK-Deal für Soldaten ziehen weitere Ministerien nach:

Bald auch freies Bahnfahren für Landwirte und Ärzte



Ab dem 1. Januar 2020 können Soldaten in Uniform kostenfrei mit der Deutschen Bahn fahren. Die Maßnahme, die auch private Fahrten einschließt, soll für mehr „Sichtbarkeit“ der Bundeswehr in der Gesellschaft sorgen, den Soldaten Anerkennung zollen und das Sicherheitsgefühl der anderen Bahngäste erhöhen.

Im Bundestag wurde die Einigung zwischen drei Ministerien und der Deutschen Bahn mit großem Interesse verfolgt. Es dauerte nicht lange, bis weitere Ministerinnen und Minister mit ähnlichen Vorschlägen aufwarteten.

Gesundheitsminister Jens Spahn schlug vor, Ärztinnen und Ärzte kostenlos Bahn fahren zu lassen. Neben der Anerkennung des Einsatzes dieser Berufsgruppe für Gesundheit und Leben erwähnte Spahn die allgemein bekannten „Bahnkunden-typischen Krankheitssymptome“, bei welchen eine hohe Dichte von Gesundheitsexperten hilfreich wäre. So sei es bei Überhitzung aufgrund ausgefallener Klimaanlagen gut, einen Arzt in seiner Nähe zu wissen, und auch bei schmerzhaftem Harndrang wegen defekter Toiletten oder Bluthochdruck infolge massiver Verspätungen könne die Anwesenheit eines Mediziners zumindest tröstlich wirken, so Spahn. Analog zur Soldatenuniform sollten die Ärzte Dienstkleidung und ein Stethoskop um den Hals tragen.

Bildungsministerin Anja Karliczek zog noch am selben Tag nach und forderte kostenloses Bahnfahren für Lehrerinnen und Lehrer. In ihrer Begründung sagte sie: „Lehrer setzen tagtäglich ihre Gesundheit aufs Spiel, um die Blagen anderer zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft zu formen – sehr häufig vollkommen für die Katz. Es wird Zeit, diesen tapferen Kämpfern etwas zurück zu geben.“ Die Ministerin sieht einen zusätzlichen Mehrwert darin, dass die Disziplin an Bord der Züge von der Anwesenheit der Pädagogen profitieren würde. „Wer von einem Lehrer kritisch beäugt wird, verstaut seinen Koffer brav in der Gepäckablage“, ist sich Karliczek sicher. Als Erkennungszeichen sollen die Lehrer ein Klassenbuch sowie ein selbstsicher abspulbares Halbwissen zu jedem vorstellbaren Themengebiet vorweisen.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner möchte freies Bahnfahren für Landwirte durchsetzen. „Diese Menschen machen sich jeden Tag für uns die Hände schmutzig“, so die Ministerin in ihrem Plädoyer. Auch Klöckner brachte neben „Respekt und Dankbarkeit“ auch noch praktische Argumente vor: „Wer schon mal auf einer Bahnstation irgendwo in der Butnik gestrandet ist, weiß, wie beruhigend der Anblick eines Menschen sein kann, der im Notfall in der Lage ist, ein Feld zu bewirtschaften“, so Klöckner. Als Uniform-Pendant sollen die Landwirte Latzhose und Gummistiefel tragen und ein ackerbautypisches Gerät mit sich führen.

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, findet, dass Jugendliche, Frauen, Senioren und Menschen mit Familie kostenlos mit der Bahn fahren sollten. „Diese Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft“, begründete sie ihren Vorstoß. Zur sicheren Identifizierung sollen Jugendliche ein zu laut aufgedrehtes Smartphone, Frauen eine Handarbeit, Senioren eine Heizdecke und Menschen mit Familie ein Selfie mit einer verwandten Person bei sich tragen.

Bahnchef Lutz hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, mit den Ministerinnen und Ministern Gespräche aufzunehmen.


Unser Bild: Bald Alltag: Menschen in Berufskleidung fahren gerne Bahn