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"Mehr Fairness und Transparenz"

Verbraucherschützer fordern Kennzeichnung von Veganern


Früher war es einfacher, findet Karsten Herlitz, Vorsitzender der Jungen Union in Bochum. Da sei die Wahrscheinlichkeit, auf offener Straße auf einen Veganer zu treffen, noch sehr gering gewesen. Zudem habe man die notorischen Weltverbesserer sofort als solche erkennen können: "Sie waren spindeldürr, hatten fahle Haut, eingefallene Wangen und trugen merkwürdige Schuhe." Das habe sich inzwischen geändert. "Die sehen heute ja fast so aus wie normale Menschen", findet Herlitz. "Und rasant vermehrt haben sie sich auch." Deshalb unterstützt er das Vorhaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums, Normalkonsumenten besser vor Veganern zu schützen.

"Ich habe nichts gegen Veganer", betont Herlitz. "Aber ich möchte einfach darüber informiert sein, dass der- oder diejenige eine solche Neigung hat, bevor ich mich zum Beispiel an der Kasse hinter ihn stelle." Ja, er selbst habe vor Kurzem an erwähntem Ort ein negatives Erlebnis mit einem Veganer gehabt. "Da sieht diese junge Frau auf meinen Einkauf, lächelt mich an und sagt: "Die meisten Leute wissen ja gar nicht, dass für Käse Kälbchen sterben müssen." Herlitz erinnert sich noch genau an den Kloß im Hals, den die Äußerung bei ihm ausgelöst hat. "Plötzlich fühlte ich mich richtig schlecht, ganz so, als hätte ich etwas Schlimmes getan. Die Verkäuferin sah mich auch so komisch an, als hätte ich persönlich ein kleines Kälbchen ermordet. Dabei würde ich so etwas doch niemals tun", erzählt der 24jährige. Und dieses Erlebnis sei kein Einzelfall. "Eine Freundin hatte einen neuen Kollegen zu ihrer Grillparty eingeladen. Der wirkte eigentlich recht sympathisch, also setzte sie sich neben ihn. Plötzlich sagte er laut und vernehmlich zu ihr: "Weißt du eigentlich, dass für so eine Seidenbluse 4000 Raupen qualvoll sterben müssen?" Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Jeder auf der Feier dachte dasselbe: Der Abend war gelaufen."

Herlitz findet, dass vegan lebende und denkende Menschen dazu verpflichtet werden sollten, ihre Mitmenschen frühzeitig über ihren Veganismus zu informieren. " 'Mein Name ist Fritz Müller. Ich bin Veganer', das hätte ja schon gereicht. Dann hätte meine Freundin dieses Wissen in ihre Überlegungen bezüglich der Gästeliste mit einfließen lassen können." Er meint, dass ein solcher, beiläufig eingeflochtener Hinweis nicht zu viel verlangt sei. "Das dauert wenige Sekunden. Und alle wissen, woran sie sind."

Ähnlich sieht es Johannes Remmel, nordrhein-westfälischer Minister für Verbraucherschutz. "Meiner Ansicht nach hat der deutsche Normalverbraucher ein Recht darauf, ohne störende Denkprozesse dem Konsum frönen zu können. Darauf ist unser Wirtschaftssystem schließlich aufgebaut." Streng genommen sei veganes Gedankengut sogar eine Gefahr für die freie Marktwirtschaft, findet der Minister. Natürlich dürfe man niemandem seine Meinung verbieten, fügt er schnell hinzu. "Aber wir können doch zumindest dafür sorgen, dass arglose, brav vor sich hin konsumierende Bürger vor solchen verstörenden Äußerungen geschützt werden." Wie Herlitz plädiert auch er für eine Verpflichtung zur Selbstauskunft und möchte sich im Landtag dafür einsetzen. "Das könnte so aussehen, dass man im Restaurant vor der Frage nach freien Plätzen kurz erwähnt, dass man Veganer ist. Oder dass man die "Schrot und Korn" gut sichtbar mit sich trägt. Das sind kleine, zumutbare Neuerungen, die zu mehr Transparenz und Fairness beitragen würden."  

Bis ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Bedauerlicherweise säßen im nordrhein-westfälischen Landtag einige laktoseintolerante Vegetarier, die den Vorstoß bislang "aus falsch verstandener Solidarität" blockierten. Aber man kämpfe weiter. "Der Schutz der Verbraucher liegt uns am Herzen", so Remmel.

Unser Bild: So oder ähnlich könnte eine Kennzeichnung von Veganern aussehen.


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