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Milchschokoladen-Intoleranz?

„Unfassbar, was einem heutzutage passieren kann! Im eigenen Land!“ Ferdinand Sonnbichler ist immer noch außer sich, wenn er an sein schlimmes Erlebnis vom vergangenen Freitag zurück denkt. Bei der Betriebs-Weihnachtsfeier ließ sich der Münchner Heizungsmechaniker einen von der Firma gesponserten Schoko-Weihnachtsmann schmecken. Der gesellige Urbayer bemerkte nichts Ungewöhnliches beim Verzehr der Süßware. Erst gut vier Stunden später erzählte ihm eine Kollegin das Ungeheuerliche: Der Weihnachtsmann sei „halal“, also ein für Muslime „erlaubtes“ Lebensmittel. Die belesene Dame war zufällig auf eine Internetseite gestoßen, auf der die für die Weihnachts-Nascherei verantwortliche US-Firma Muslimen halale Produkte vorstellte. Unter anderem dabei: eben jener Schoko-Weihnachtsmann.

Für den christlich verwurzelten Bajuwaren war diese Information ein Schlag in die Magengrube: Sonnbichler musste die Party frühzeitig verlassen; auch der Verzehr von einem halben Meter Bratwurst vom nahe gelegenen Weihnachtsmarkt, welche ein aufmerksamer Kollege rasch besorgt hatte, vermochte das Übelkeitsgefühl nicht zu lindern.

Der weltoffene Kleingartenbesitzer betont, dass er nichts gegen Muslime hat. „Wir haben ja sogar einen im Betrieb, den Ali“, erzählt er, „ der ist aber fast schon ein Bayer, der trinkt manchmal sogar ein Bier mit.“ So müsse das eben sein, findet Sonnbichler, dass sich „die Fremden an uns anpassen und nicht umgekehrt.“ Wenn sich andere Kulturen in den Genuss deutscher Weihnachtsspezialitäten mischten, da sei für ihn die Grenze der Toleranz ganz klar überschritten.

Sonnbichler, der sich inzwischen glücklicherweise wieder besser fühlt, hat eine Petition gestartet, die Warnhinweise auf halalen Produkten fordert. Außerdem möchte er den Betriebsrat seiner Firma über den Vorfall informieren. „Die wussten doch gar nicht, was für ein Teufelszeug sie da verschenkt haben“, ist er sich sicher. Er sieht es als seine Bürgerpflicht, das schmerzlich erworbene Wissen weiterzugeben. Damit im nächsten Jahr wieder jeder Mitarbeiter sorgenfrei Weihnachten feiern kann.