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Süßer die Kassen nie klingeln

Der deutsche Einzelhandel will ein zweites Weihnachtsfest etablieren. Grund ist die konsumförderliche Wirkung der Vorweihnachtszeit.

Wird es schon bald zwei Weihnachtsfeste im Jahr geben? Einen entsprechenden Vorschlag machte gestern Kai Falk, Sprecher des Handelsverbandes HDE. Angesichts der alljährlichen positiven finanziellen Bilanz des Weihnachtsgeschäftes sei es geradezu fahrlässig, diese Idee nicht zu diskutieren, so Falk. „Die Jahresend-Konsumwochen (Branchenjargon für „Weihnachtszeit“, Anm. d. Red.) machen im Einzelhandel gut ein Fünftel des Jahresumsatzes aus. Hätte man sie zweimal im Jahr, könnte der Umsatz rein rechnerisch um gut 80 Milliarden Euro ansteigen – eine Summe, bei der es sich verbietet, ideologisch begründete Denkblockaden aufrecht zu erhalten.“

Als praktikabelste Umsetzung schlägt Falk vor, das Osterfest abzuschaffen und durch das zweite Weihnachten zu ersetzen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Ostergeschäft im Vergleich zum Weihnachtsgeschäft enttäuschend ist. Dem sollte man endlich Rechnung tragen.“ Für die Bürger wäre die Umstellung Falk zufolge kein Problem. „Sie sind es bereits gewohnt, dass es noch ein zweites Fress- und Ausschlaffest im Jahr gibt. Es wäre keine große Schwierigkeit, dieses in Zukunft auch noch mit dem weihnachtstypischen Konsumzwang zu verbinden.“  

Und was wäre mit Bürgern, die mit dem  Osterfest religiöse Gefühle verbinden?  Falk hat auch an diese Randgruppe gedacht und schlägt vor, das zweite Weihnachten mit der Osterbotschaft zu kombinieren. „An den Weihnachtsbaum, unter dem die Geschenkeberge liegen, kann man doch auch Ostereier hängen. So kann der Beitrag zum Wirtschaftswachstum auch von gläubigen Menschen problemlos geleistet werden.“

Führende Vertreter von Politik, Kirchen und Wirtschaft wollen Falks Vorschlag demnächst auf einem Sondergipfel diskutieren.

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Österliche Botschaft und weihnachtlicher Einkaufswille müssen einander nicht ausschließen.