DIE WAHRHEIT ONLINE

postfaktisch. präfaktisch. außerfaktisch.

05.01.2018

 

Wegen Verschwiegenheits-Vereinbarung der Sondierungsparteien:

Öffentlich-Rechtliche ändern Talkshow-Konzept

 


Was nicht gesagt wird, brauchen wir nicht zu diskutieren.“

Nachdem CDU/CSU und SPD beschlossen haben, die Sondierungsgespräche zu einer möglichen Regierungsbildung konsequent hinter verschlossenen Türen zu führen, haben die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender die inhaltliche Ausrichtung ihrer Talkshows geändert. "Deutsche Politik ist komplett raus und wird durch andere Themen ersetzt", bringt der Unterhaltungschef der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Volker Lauenberger, die Änderung auf den Punkt. „Der Tatsache, dass sich die deutschen Politiker bis Ostern komplett aus dem öffentlichen Geschehen zurückziehen, muss Rechnung getragen werden. Wenn nichts passiert bzw. zu dem einzigen, was passiert, nichts gesagt wird, gibt es auch nichts zu diskutieren“, begründet Lauenberger die Entscheidung.

Moderator Frank Plasberg hat Verständnis für die Maßnahme. „Das ist eine logische Konsequenz aus der derzeitigen parteipolitischen Situation“, sagt der 61-Jährige. Und fügt hinzu: „Veränderungen bedeuten immer eine Herausforderung, aber zugleich auch eine Chance.“ Die erste „Hart aber Fair“-Sendung, die von der Konzeptänderung betroffen ist, wird am 8. Januar stattfinden und steht unter dem Motto „Miau, miau, miaaaauuuu – Warum ist Miezes Schlamassel so lustig?“. „Ich begrüße die Akteure der 10 lustigsten deutschen Haustier-Videos samt ihrer Besitzer. Wir werden die Frage diskutieren, warum wir über Missgeschicke von Haustieren immer lachen müssen und ob das moralisch in Ordnung ist. Ich freue mich auf eine hitzige Diskussion in gewohnter, schonungsloser „Hart aber Fair“-Manier.“

Auch bei der Sendung „Maischberger“ wird in den kommenden drei Monaten zu jedem zweiten Termin Unpolitisches thematisiert. So steht ihre Sendung vom 17. Januar unter dem Motto „Schön sein – schön bleiben: Darf frau über 50 noch Frau sein?“. „Wir werden das kontroverse Thema ausgiebig erörtern und auch Stimmen aus dem Publikum mit einbeziehen“, freut sich die Moderatorin.

Genau wie ihre KollegInnen wird sich auch Anne Will in nächster Zeit Themen widmen, die eher gesellschaftlich als politisch bewegen: „Kokosmilch und Sojasahne – Können vegane Torten schmecken?“ fragt die Moderatorin am 21. Januar. „Ich erwarte, dass in dieser Runde die Fetzen fliegen, so wie es die Zuschauer von meinen Sendungen gewohnt sind“, sagt Will.

Die ZDF-Polittalkerin Maybrit Illner findet die vorübergehende Erschließung neuer Themenfelder „total spannend“ und sieht ihrer Sendung „Nichts als Möpse – sind die Trendhunde wirklich so toll?“ am 11. Januar voller Optimismus entgegen. „Das wird ein harter Schlagabtausch zwischen Fans und Kritikern. Die schenken sich nichts.“

Die Talkrunden über deutsche Regierungsarbeit und Parteiquerelen werden laut Unterhaltungschef Lauenberger wieder aufgenommen, sobald die Sondierungen abgeschlossen sind. „Wir erwarten eine Rückkehr zum Gewohnten ab dem 3. April“, so Lauenberger.