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postfaktisch. präfaktisch. außerfaktisch.

 

15.08.2017

 

 

 "Sehr sehr viel Freiheit!"

 


 Unerwartetes Ergebnis: Neun von zehn türkischen Journalisten finden, dass in der Türkei Pressefreiheit herrscht.

 

 

 

Damit hatten nach den jüngsten Entwicklungen wohl die wenigsten gerechnet: Einer repräsentativen Umfrage zufolge ist es mit der Pressefreiheit in der Türkei wesentlich besser gestellt, als es nach außen hin den Eindruck hat. Das türkische Meinungsforschungsinstitut 'Erdoĝan vazgeçmeyecek' (dt.: 'Erdogan will es wissen') hat Medienvertreter dazu befragt, inwieweit sie sich in ihrer Arbeit von der Regierung unter Druck gesetzt fühlen.

Das Ergebnis zeichnet ein eindeutiges und ausgesprochen positives Bild: 95 von 100 befragten Journalisten/innen gaben in einem Fragebogen an, in ihrer Berichterstattung "überhaupt gar nicht" beeinflusst zu werden. Danach befragt, wie hoch sie ihre journalistische Freiheit einschätzen würden, antworteten ebenfalls 95, dass sie "sehr sehr viel Freiheit" hätten; 75 von ihnen fügten sogar ungefragt hinzu, dass sie ihre sehr große Freiheit ihrem Regenten Recep Tayyip Erdoĝan verdankten, der der beste Präsident aller Zeiten sei. Lediglich fünf Journalisten/innen schrieben, dass sie sich "etwas mehr Freiheit" wünschen würden.

 Wir wollten wissen, ob hinter den Umfrageteilnehmern echte Menschen stecken, und haben nachgefragt. Tatsächlich erhielten wir von 'Erdoĝan vazgeçmeyecek' umgehend eine Liste aller Teilnehmer der anonymen Befragung. Leider konnten wir die fünf nicht ganz zufriedenen Medienvertreter nicht für eine Stellungnahme gewinnen, da sie ihren Job bei der jeweiligen Zeitung inzwischen nicht mehr ausüben und auch nicht in ihrem Zuhause anzutreffen waren. Von den zufriedenen Journalisten/ innen bestätigten uns am Telefon aber tatsächlich alle, dass sie in ihrer Arbeit absolut frei seien. Die  24jährige Reporterin Arzu Erürük, die wir spontan in ihrem Nachrichtenstudio besuchen durften, ließ an ihrer Zufriedenheit keine Zweifel: Nein, bei ihrem Sender 'Erdogan Live' werde kritischer Journalismus ganz sicher in keiner Weise eingeschränkt, sagte sie, und fügte hinzu, dass dies nur einer von ganz vielen Gründen sei, warum sie so gerne in dem Land arbeite, "welches von dem großartigen Recep Tayyip Erdoĝan geführt wird".

 Die im Ausland derzeit weit verbreitete Einschätzung, dass regierungskritischen Redakteuren in der Türkei das Leben schwer gemacht wird, bedarf womöglich einer Korrektur.


Unser Bild:

Auch die Reporterin Arzu Erürük - hier im Nachrichtenstudio des unabhängien Senders 'Erdogan Live' - fühlt sich in ihrer Arbeit nicht von der Regierung beeinflusst.


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