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Nach monatelangem Ausnahme-Erfolg:

Instagrammer „Uterus-Star“ enttäuscht mit 08/15-Post

Über die Hälfte aller Follower verlieren - nur wegen eines einzigen, wenig gelungenen Postings. Was der Alptraum eines jeden Social-Media-Prominenten ist, wurde für den Instagrammer „Uterus-Star“ jetzt zur Wirklichkeit. Fast neun Monate lang hatte der nur unter seinem Pseudonym bekannte Aufsteiger eine wachsende Fangemeinde mit originellen Fotos an seinem Alltag teilhaben lassen. Die Aufnahmen, die ihn selbst aus ungewöhnlichen Perspektiven zeigten und stets in atmosphärischen Blau- oder Orange-Tönen gehalten waren, hatten auf dem Online-Dienst Instagram zuletzt über 100 000 Follower begeistert – bis vor zwei Tagen ein eher durchschnittliches, laienhaft ausgeleuchtetes Foto knapp 60 000 Fans dazu motivierte, ihm den Rücken zu kehren.

Einer dieser enttäuschten Follower war „Shabby Shee“. „Ich habe deine Fotos so geliebt“, schrieb sie in einer abschließenden Instagram-Direct-Nachricht an „Uterus-Star“. „Sie strahlten so viel Wärme und Geborgenheit aus.“  Nutzerin „Barbararosa“ schätzte vor allem die Ästhetik der Bilder: „Die hatten so etwas Reines, Unverfälschtes. Diese surreal-esotherisch anmutenden Farbverläufe. Wirklich schade, dass du das nicht mehr drauf hast!“, schrieb sie, bevor sie sich von „Uterus-Star“ verabschiedete. Ex-Fan „Dumby Don“ fragte den Instagrammer: „Was ist nur los mit dir, Uterus-Star?“ - ohne jedoch eine Antwort abzuwarten.

Diplom-Psychologe Dr. Hartmut Minsgens, der sich mit den sozio-psychologischen Wirkungsprozessen moderner Medien beschäftigt, weiß, dass plötzliche Karriere-Einbrüche bei Internet-Prominenten keine Seltenheit sind. „Das ist ein extrem schnelllebiges Medium. So schnell, wie man ganz oben ist, kann man auch wieder ganz unten sein.“ Die meisten Nutzer sozialer Online-Plattformen seien sehr jung und zeichneten sich nicht durch viel Geduld aus. „Sie verzeihen es nicht, wenn ihre Erwartungen enttäuscht werden, und wenden ihr Interesse dann direkt einem anderen Angebot zu.“

Ob „Uterus-Star“, der noch sehr jung sein soll, den Karriere-Knick verkraften wird, weiß Dr. Minsgens nicht zu prophezeien. „Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel, ob er familiär aufgefangen wird oder wie stark sein Selbstwertgefühl ist. Generell können eine feste Alltagsstruktur, erfüllende Freizeitaktivitäten sowie professionelle psychologische Begleitung den Betroffenen helfen, eine derartige Krise zu meistern.“

Der Instagram-Account von „Uterus-Star“ ist noch aktiv. Ob er die Krise verdauen und seine schwer angeschlagene Karriere wieder in Schwung bringen kann, wird sich nun herausstellen.


Foto oben:

Auf das Posten dieses enttäuschenden Durchschnitts-Fotos hätte „Uterus-Star“ wohl lieber verzichten sollen.


Foto unten:

Ein Bild aus erfolgreicheren Tagen: Hier verlief die Internet-Laufbahn des jungen Instagrammers noch vielversprechend.