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05.10.2017
US-Waffenlobby:

 

"Waffen sind gut und anständig!"

 

 


 

Nach dem Massaker von Las Vegas ist in den USA eine Diskussion darüber entbrannt, wie sich derartige Vorkommnisse in Zukunft verhindern lassen könnten. Die US-Waffenlobby wehrt sich gegen Stimmen, die die Schuld bei den legeren Waffengesetzten sehen und glaubt die wahren Ursachen für die Tragödie in der Wüstenstadt gefunden zu haben.


"Eine Gemeinheit" nennt Elliot W. Fortsmith, Sprecher der US-amerikanischen National Rifle Association (NRA), die Forderungen nach schärferen Waffengesetzen, die seit dem Attentat von Las Vegas wieder vermehrt zu hören sind. Die Argumentation der Befürworter: Die 59 Todesopfer von Las Vegas ebenso wie die etwa 30 000 jährlichen Toten durch privaten Waffengebrauch könnten mit der Tatsache, dass jeder nicht vorbestrafte US-Amerikaner so viele gebrauchsfähige Schusswaffen besitzen darf, wie er möchte, in einem ursächlichen Zusammenhang stehen. "Diese fanatischen Pazifisten nutzen jede Gelegenheit, um die guten, anständigen amerikanischen Waffen, die wir alle mit Stolz und Würde tragen, in den Schmutz zu ziehen", wehrt sich Fortsmith, den wir in seinem Haus in Fairfax (Virginia) für eine Stellungnahme interviewen dürfen. "Das ist unfair. Diese Leute sollten sich schämen."

Der NRA-Aktive und seine Verbandskumpanen sehen den Handlungsbedarf ganz woanders. "Das war doch einer von diesen Rentnern", sagt Fortsmith, während er uns stolz einen Einblick in seine private Waffensammlung gewährt. "Diese wohlhabenden, unauffälligen Rentner, so wie der einer war, auf die muss man ein stärkeres Augenmerk haben, anstatt die Schuld auf die Waffen zu schieben. Die haben da nichts mit zu tun!".

Fortsmith, der 57 größtenteils halbautomatische Schusswaffen sein Eigen nennt ("Alle legal!"), hat auch Ideen für präventive Maßnahmen. Er schlägt vor, dass Hotels in der unmittelbaren Umgebung von Musikfestivals keine wohlhabenden, unauffälligen Rentner mit Koffern mehr einchecken lassen sollten. "Es ist ja generell in Ordnung, wenn wohlhabende Rentner in Hotels übernachten", betont der 57-jährige Industriemanager, "Aber wenn die so massiv unauffällig sind und dann auch noch mit einem Koffer einchecken, da müssen die Hotelbetreiber natürlich hellhörig werden und die Typen festsetzen. Also, ich checke sowieso nur in Hotels ein, die einen jederzeit einsatzbereiten, mit modernster Waffentechnik ausgestatteten Sicherheitsservice haben. Alles andere ist doch unverantwortlich. Und in solchen Fällen müssen die künftig eben sofort ausrücken."

Die NRA habe nach dem Vorfall in Las Vegas gewohnt schnell reagiert und bereits einen Tag darauf die 'Bewegung zum Schutz vor wohlhabenden, unauffälligen Rentnern mit Koffern'* gegründet, die mittels Mahnwachen und Demonstrationen vor Hotels auf ihr Anliegen aufmerksam machen möchte. Fortsmith hat aber noch eine weitere Idee zum Schutze der Bürger: Seiner Ansicht nach sollten auch die Besucher von Musikfestivals stärker in die Pflicht genommen werden. "Jeder erwachsene Konzertbesucher muss mindestens zwei einsatzbereite Schusswaffen mit sich tragen", fordert er. "Dann würden sich Tragödien wie diese so nicht wiederholen."

Ob sich die NRA mit ihren Ideen durchsetzen kann? Fortsmith ist skeptisch. Die Stimmen der "verrückten Waffenhasser" würden derzeit immer lauter, beklagt er, während er versonnen den Lauf eines halbautomatischen AR-15 poliert und uns die von ihm liebevoll "My Big Beauty" genannte Waffe anschließend strahlend präsentiert. "Mal ehrlich: Ist sie nicht einfach nur wunderschön?"


*Movement for Protection against Wealthy, Inconspicuous Pensioners with Suitcases (MPWIPS)